Referat (abstract)

Alber F. Reiterer, datinform - Büro für Sozialforschung, Wien

Globale Kultur und soziale-regionale Identität

Über die Notwendigkeit von Grenzen

Seit zwei Jahrzehnten wundern sich politische Beobachter, warum sie die Bedeutung des Ethnischen so unterschätzt haben: Ethnische Konflikte sind offenbar nicht etwa nur traditionalistische Überreste, die langsam verschwinden, sondern ebenso moderne politische Phänomene. Die Verwirrung gründet in einer begrifflichen Konfusion. Der liberale mainstream hatte sehr wohl recht, wenn er die kulturelle Vereinheitlichung auf einer globalen Ebene behauptete. Doch das bedeutet keineswegs geringere psychosoziale Bedeutsamkeit ethnischer Zugehörigkeiten. "Kulturdifferenz" ist kein Zeichen ethnischer Distanz. Das Bedürfnis nach sozialer Identität verlangt aber nach Grenzziehungen. Sie müssen sich keineswegs in politischen und administrativen Abgrenzungen ausdrücken, werden jedoch am "Narzismus der kleinen Unterschiede" ansetzen, um die eigene, persönliche Identität zu verankern. Diese soziale Identität hat viele Ausdrucksformen: von der Geschlechts- über die berufliche bis zur ethnischen und regionalen Identität. Hier geht es mehr um die soziale als um die politische Funktion solcher Identitäten. Sie ist eine Weise, die eigene Individualität zu behaupten und die Selbst-Bestimmung über die eigene persönliche Zukunft ("ethnic survival") zu beanspruchen. All dies setzt jedoch eine Grundübereinstimmung über die globale Gleiche Würde voraus: Diversität - im Unterschied zu "Differenz" - kann sich nur im Rahmen von Gleichheit verwirklichen.

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