Hanny Hieger (geb. Spiegl) kam 1923 in Wien zur Welt. Ihre Eltern Rudolf und Josefine waren Eigentümer einer vom Großvater geerbten Sodawasserfabrik in Zurndorf. Daneben handelte ihr Vater auch mit landwirtschaftlichen Maschinen. Hanny wuchs in einem Elternhaus auf in dem nur die hohen jüdischen Feiertage, Rosh Hashana und Jom Kippur, gefeiert wurden. So wie ihr Bruder Fritz und andere jüdischen Kinder von Zurndorf besuchte sie die evangelische Volksschule, wurde von ihren Eltern aber wegen antisemitischer Diskriminierungen aus der Schule genommen und zu Verwandten nach Wien gegeben. Noch am Tag der Angliederung Österreichs an des Deutsche Reich im März 1938 wurde ihr Vater verhaftet und im provisorischen Konzentrationslager Frauenkirchen angehalten und später nach Wien überstellt. Die Sodawasserfabrik wurde beschlagnahmt, ihre Mutter musste den Nazis alle Wertgegenstände abliefern und wurden gezwungen Zurndorf zu verlassen. Bei der Schwester ihrer Mutter in Wien fand die Familie Spiegl Zuflucht. Ihr Vater wurde im Sommer 1938 entlassen, in der Pogromnacht vom 9/10. November 1938 erneut verhaftet, aber wieder entlassen. Hanny´s Vater wollte nur nach Ungarn um die Situation abzuwarten, die Mutter aber betrieb energisch die Ausreise. Es gelang ihr ihre Kinder Hanny und Fritz auf Kindertransporten der Kultusgemeinde nach England unterzubringen. Im Februar 1939 verließ Hanny Österreich und die Familie in Richtung London. Die Eltern konnten rechtzeitig nach Bolivien flüchten. Hanny wurde von der Familie Jones und später von der Familie Townsend im Norden Englands aufgenommen. Nach Kriegsbeginn musste sie in ein Kinderheim. Sie begann in einer Fabrik als Näherin zu arbeiten, wo Uniformen für die Britische Armee genäht wurden. In dieser Zeit schloss sie sich der Jugendbewegung "Young Austria" an und kam mit im englischen Exil lebenden Kommunisten in Kontakt. 1942 heiratete sie, 1944 kam ihre Tochter zur Welt, ließ sich aber bald nach ihrer Rückkehr nach Wien, im Jahre 1945, scheiden. Im Jahr 1951 übersiedelte sie mit ihrer Tochter zu ihren Eltern, die in der Zwischenzeit von Bolivien nach Montevideo gegangen waren. Bald darauf verstarb ihre Mutter. Hanny Hieger heiratete zum zweiten Mal und blieb in Südamerika. Sie arbeitete in verschiedenen Ländern Südamerikas als Übersetzerin bei Firmen und bei Entwicklungsprojekten der Vereinten Nationen. 1970 kehrte sie nach Österreich zurück. Sie erhielt eine Anstellung beim Außenministerium und wurde an die Botschaft nach Kolumbien geschickt. Im Jahre 1976 strebte sie die Versetzung an die österreichische Botschaft in der DRR an, wo sie bis zu ihrer Pensionierung tätig war.