Dieses Video darf nur mit schriftlicher Zustimmung der Burgenländischen Forschungsgesellschaft (BFG) heruntergeladen oder in andere Webseiten als jener der BFG eingebettet werden.

Walter Arlen (geb. 1920) und seine Schwester Edith (geb. 1925 – gest. 2012) erzählen in diesem Interviewausschnitt über die Tage der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938 in Wien und die anschließende Verfolgung. Die Familie wohnte im Geschäftshaus der Großeltern mütterlicherseits, Leopold und Regine Dichter, Gründer und Besitzer des "Warenhauses Dichter" in der Brunnengasse in Wien-Ottakring. Die Großeltern waren auch Eigentümer der "Villa Dichter" in der Schulstraße in Bad Sauerbrunn, die sie 1911 für den Sommeraufenthalt erwarben.
Als der Vater Ende April aus Buchenwald entlassen wurde, flüchteten die Eltern und Edith im Mai nach England. Edith Arlen erhielt 1946 Visa und Schiffskarten für die Ausreise in die USA. 1950 konnte Edith ihr an der University of Chicago begonnenes Studium der Sozialpsychologie beenden und begann als Sozialpsychologin zu arbeiten. Sie verstarb 2012 in Los Angeles.
Walter konnte in die USA flüchten. Unter dem Namen Arlen begann Walter in Chicago seine Laufbahn als Komponist, Musikwissenschaftler, Musikkritiker und schließlich Universitätsprofessor. Während er in Chicago in einem Kürschnergeschäft arbeitete, begann er seine Musikstudien mit dem prominenten Komponisten Leo Sowerby. 1947, nachdem seine Eltern und seine Schwester endlich in Chicago angesiedelt waren, wurde Walter Assistent und Amanuensis des Komponisten Roy Harris, bei dem er vier Jahre verbrachte. Im Sommer 1951 übersiedelte er zu seiner in Santa Monica lebenden Tante Esther, um musikwissenschaftliche Studien an der UCLA (University of California Los Angeles) aufzunehmen. Im März 1952 begann er für die „Los Angeles Times“ Musikkritiken zu schreiben. Diese Tätigkeit übte er bis 1980 aus. 1969 gründete er die Musikabteilung an der katholischen Loyola-Marymount University in Los Angeles, deren Vorstand er auch war. 1998 schloss er seine akademische Karriere in der Musikwelt im Alter von 78 Jahren ab. Obwohl offiziell im Ruhestand, betätigt er sich freiwillig als Kunstberater der „José Iturbi-Stiftung“, die jungen Musikern Aufführungen ermöglicht. Sein Verhältnis zu Österreich in Los Angeles war gekennzeichnet durch Freundschaften mit Personen wie Thomas Klestil und Peter Moser, später österreichischer Botschafter in Washington. Walter Arlen besitzt neben der US-amerikanischen auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Die Jahreswende 2000 erlebte der damals 80-Jährige mit seiner Schwester Edith Arlen Wachtel und seinem Freund Howard Myers auf dem Stephansplatz in Wien. Walter Arlen erhielt 2008 das Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.

Dieses Video darf nur mit schriftlicher Zustimmung der Burgenländischen Forschungsgesellschaft (BFG) heruntergeladen oder in andere Webseiten als jener der BFG eingebettet werden.

Marion Fischer wurde 1937 in Wiener Neustadt geboren. Ihr Vater Alexander war Goldschmied und betrieb ein Gold, Silber und Bijouteriewarengeschäft in Bad Sauerbrunn. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich im Jahr 1938, wollte die Familie Klein zunächst über Triest nach Palästina fliehen, musste jedoch in Zypern wegen fehlender Papiere das Schiff verlassen und gelangte zurück nach Triest. Bis zur Verhaftung ihres Vaters lebte sie mit den Eltern und ihrem älteren Bruder Oscar versteckt. Im Jänner 1941 wurden sie in das Konzentrationslager Ferramonti in Kalabrien, das größte italienische Konzentrationslager für nichtitalienische Juden und Jüdinnen und Staatenlose, gebracht. Nach 11 Monaten im Lager Ferramonti verschickte man die Familie Klein als Zivilinternierte nach Arsiero, in der Provinz Vicenza. Die Familie Frigó nahm sich ihrer besonders an und organisierte, als die Gefahr deportiert zu werden größer wurde, zu Beginn 1944 die Flucht in die Schweiz. Dort wurde die Familie zunächst in ein Flüchtlingslager untergebracht, und später nach St. Moritz geschickt, wo ihre Eltern Hilfsdienste in einem Hotel leisteten um ein wenig zu verdienen. Die Kinder kamen zu Familien in Basel, wo Marion die Volksschule besuchte. Im Jahr 1945 kam ihre Schwester Eva zu Welt. 1947 begann ihr Vater für die jüdische Hilfsorganisation „ORT“ als Instruktor in Mailand zu arbeiten. 1949 übersiedelte die Familie nach Meran, wo Marion die Mittelschule besuchte. 1950 zog die Familie auf Betreiben des Vaters nach Innsbruck, wo er eine kleine Plexiglaserzeugung, später ein Uhrmachergeschäft und einen Antiquitätenhandel eröffnete. Anlässlich eines Konzertes ihres Bruders, dem Jazzmusiker Oscar Klein, mit Fatty George in Wien, lernte Marion ihren Mann kennen, mit dem sie eine Tochter hat. Nach ihrer Trennung zog sie in der Schweiz, kam aber wieder nach Innsbruck zurück, wo sie ein Antiquitätengeschäft eröffnete. Marion Fischer lebt heute in Innsbruck, wo sie sich als Zeitzeugin in Schulprojekten engagiert.